FAQs - Häufig gestellte Fragen

Gemeinschaftsprojekt Bürgerwind

1) Was ist ein Bürgerwindpark?

Bürgerwindparks sind Windparks, an denen sich neben den Flächeneigentümern die ortsansässigen Bürgerinnen und Bürger und Gemeinden oder kommunalen Einrichtungen konzeptionell und finanziell beteiligen können.

Die Errichtung eines Bürgerwindparks (von der Planung bis zur Netzeinspeisung) ist ein Projekt, das durch hohe Anfangsinvestition gekennzeichnet ist. Für Einzelpersonen ist ein solches Vorhaben daher nur schwer umsetzbar. Das Engagement vieler Akteure vor Ort, der Zusammenschluss finanzieller Mittel sowie von Know-how und Arbeitskraft ermöglicht jedoch, dass gemeinsam größere Ideen verwirklicht werden können.

2) Die NLF und Bürgerbeteiligung

Die NLF Bürgerwind GmbH betreut ausschließlich Gesellschaften, die sich verpflichtet haben einen Bürgerwindpark nach dem Leitbild des Kreises Steinfurt zu realisieren. Die Leitlinien sehen eine direkte konzeptionelle und finanzielle Bürgerbeteiligung vor. Dies bedeutet, dass sich Bürgerinnen und Bürger aus der jeweiligen Gemeinde/Stadt unmittelbar am Bürgerwindpark beteiligen können und durch ihr Stimmrecht „Mitmachen | Mitbestimmen | Mitgestalten“. Darüber hinaus regeln die Leitlinien eine geringe Mindestbeteiligung und die Vermeidung von Mehrheitsbeteiligungen.

3) Bürgerwindpark-Leitlinien im Kreis Steinfurt

Der Kreis Steinfurt verfolgt das Ziel bis zum Jahr 2050 bilanziell energieautark zu werden. Dieses Ziel ist nur durch einen moderaten Ausbau der Windenergie zu erreichen. Damit dies verträglich für Mensch und Natur geschieht, hat sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Bürgermeistern, Vertretern der Landwirtschaft, Vertretern der Stadtwerke und des Agenda 21-Büros des Kreises Steinfurt, mit der Ausarbeitung von Leitlinien für Bürgerwindparks beschäftigt.

Wir, als NLF Bürgerwind, haben die nachfolgenden Leitlinien längst zu unseren eigenen gemacht. Unsere Beratung und unser Handeln ist vollumfänglich nach diesen Leitsätzen ausgerichtet.

  • Alle Gruppen im Umfeld werden am Projekt beteiligt (Grundeigentümer, Anwohner, Landwirte, Bürger, Gemeinden, kommunale Einrichtungen)
  • Faire Teilhabe der nicht direkt profitierenden Flächeneigentümer, Anwohner und sonstigen Betroffenen (Entschädigung nicht mit dem Schwerpunkt auf die direkten Windenergiestandorte)
  • Sicherstellung einer direkten konzeptionellen und finanziellen Bürgerbeteiligung (Mindestanteil von 25 % des Eigenkapitals in den Händen einzelner Bürger (außerhalb der Gruppe der Flächeneigentümer in der Windvorrangzone))
  • Vermeidung von Mehrheitsbeteiligungen
  • Geringe Mindestbeteiligung ab 1.000 €
  • Einbeziehung der örtlichen/regionalen Stadtwerke als Vermarktungspartner
  • Einbeziehung der regionalen Sparkassen und Volksbanken zur Finanzierung des Fremdkapitals bzw. der Einzeleinlagen

4) Ziele von Bürgerwindparks

  • Regionale Windenergiepotenziale optimal erschließen
  • Akzeptanz für Windenergieanlagen durch finanzielle und organisatorische Beteiligungen aufbauen und erhalten
  • Maximale lokale und regionale Wertschöpfung erreichen
  • Ausgewogenheit von wirtschaftlichen, sozialen und naturschutzfachlichen Interessen erzielen
  • Entscheidungskompetenz vor Ort behalten (Gesellschafter und Entscheidungsträger aus dem Kreis der Eigentümer, Anwohner und Bürger, Kommunen und kommunale Einrichtungen)

5) Wie entsteht ein Bürgerwindpark?

Die Errichtung eines Windparks von der Planung bis zur Netzeinspeisung ist ein großes Projekt, das durch hohe Anfangsinvestition gekennzeichnet ist und Ausdauer erfordert. Für Einzelpersonen ist ein solches Vorhaben daher nur schwer umsetzbar. Das Engagement vieler Akteure vor Ort, der Zusammenschluss finanzieller Mittel sowie von Know-how und Arbeitskraft ermöglicht jedoch, dass gemeinsam größere Ideen verwirklicht werden können. Bürgerwindparks sind Gemeinschaftsprojekte von Bürgerinnen und Bürgern. Sie helfen nicht nur auf lokaler Ebene Klimaschutzziele zu erreichen, sondern fördern zudem die kommunale Unabhängigkeit auf einem entscheidenden wirtschaftlichen Feld: der Energieversorgung.

Phase 1 - Planung eines Windparks
  • Standortprüfung
  • Flächensicherung
  • Standortanalyse und -planung
  • Planung Netzanbindung
  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen
  • Herstellerwahl
  • Genehmigungsverfahren nach BImSchG

Phase 2 - Finanzierung
  • ca. 20 - 25 % Eigenkapital (Bürger)
  • ca. 75 - 80 % Fremdkapital (Banken)

Phase 3 - Projektumsetzung
  • Vereinbarung eines Errichtungs-/Bauzeitplans
  • Koordination mit Grundstückseigentümern
  • Abnahmen: z. B. Baugrund- und Gewährleistungsabnahme
  • Netzanschluss und Inbetriebnahme

Phase 4 - Betriebsführung
  • Technische Betriebsführung
  • Kaufmännische Betriebsführung (Koordination/Übernahme durch Bürger möglich)

6) Bürgerwind schafft Wertschöpfung vor Ort

Strom aus Erneuerbaren Energiequellen spielt als Wirtschaftsfaktor eine große Rolle. Das Bürgerwindmodell im Kreis Steinfurt zielt u.a. darauf ab, die Wertschöpfung aus einem Bürgerwindpark zu 100 % in der Region zu behalten.

Durch Bürgerwindenergieprojekte entstehen vielfältige positive Effekte für die kommunale Wertschöpfung:

  • Planung des Windparks durch regionale Akteure
  • Errichtung durch regionale Unternehmen
  • Finanzierung über regionale Banken (z.B. Volksbanken, Sparkassen)
  • Entrichtung von Gewerbesteuern an die Gemeinde
  • Erzielung einer angemessenen Rendite für die beteiligten Bürgerinnen und Bürger
  • Schaffung von Dauerarbeitsplätzen in der Region für Service und Wartung der Anlagen
  • Technische und kaufmännische Betriebsführung durch Bürger vor Ort

Informationen zur Windenergie und Windenergieanlagen (WEA)

1) Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war und ist Motor und entscheidender Treiber für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Es trat im April 2000 in Kraft und folgte auf das Stromeinspeisegesetz, das ab 1991 erstmals die systematische Förderung von regenerativ erzeugtem Strom festlegte. Seit seinem Bestehen wurde das EEG mehrfach novelliert, um es an die aktuellen Entwicklungen anzupassen.

Die letzte Novellierung erfolgte 2014. Das neue Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist zum 1. August 2014 in Kraft getreten. Ziel des neuen EEG ist es, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen und dabei gleichzeitig die Bezahlbarkeit der Energiewende für die Bürger sowie die Wirtschaft sicherzustellen und die Belastungen für das Gesamtsystem zu begrenzen.

2) Energie- und CO2-Bilanz einer WEA

Windkraftanlagen bestehen aus vielen unterschiedlichen Komponenten. Sie sind komplexe und technologisch anspruchsvolle Produkte, deren Herstellung aufwändig ist. Um zu bewerten, ob der Einsatz von Windkraftanlagen aus energetischer Sicht sinnvoll ist, wird der Parameter „energetische Amortisationszeit“ angewandt. Das ist der Zeitraum, den eine Anlage an Land in Betrieb sein muss, um die Energie wieder hereinzubekommen, die für ihre Rohstoffe, ihre Herstellung, den Transport, den Bau und während ihrer der gesamten Lebensdauer für ihren Betrieb inkl. Reparaturen sowie ihr Recycling aufgewendet wurde.

Die energetische Effizienz moderner Windmühlen bestätigen mehrere Studien unabhängiger Forschungseinrichtungen, so z. B. des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart. Demnach beträgt die energetische Amortisation (Energierücklaufzeit) einer Windturbine an Land zwischen drei Monaten und einem Jahr.

Eine Windenergieanlage erzeugt gut 40 bis 70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung eingesetzt wird.

Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 20 Jahren ergibt sich somit eine überaus positive ökologische Bilanz, die konventionelle Kraftwerke durch das erforderliche ständige Hinzufügen von fossilen Energieträgern niemals erreichen können. Eine 1,5-MW-Windenergieanlage erzeugt in diesem Zeitraum rund 80 Mio. Kilowattstunden sauberen Strom und ersetzt dabei beispielsweise rund 90.000 Tonnen Braunkohle.

(Quelle: BWE 2012)

CO2-Bilanz

Im Vergleich zu fossilen Energieträgern weist die Windenergie eine deutlich bessere CO2-Bilanz / Klimabilanz auf. Nach der energetischen Amortisationszeit (siehe „Energiebilanz einer WEA“) produzieren Windenergieanlagen bilanziell CO2-neutralen Strom, setzen also kein zusätzliches Kohlendioxid als Treibhausgas in die Atmosphäre frei.

Laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) beträgt der CO2-Ausstoß moderner Windräder über die gesamte Lebensdauer von 20 Jahren lediglich 24 Gramm pro Kilowattstunde. Das bedeutet, dass Strom aus Windenergie eine sehr gute CO2-Bilanz hat. Zum Vergleich: Die Verstromung von Braunkohle verursacht durchschnittlich etwa 1.000, Steinkohle 810 und Erdgas 377 Gramm pro Kilowattstunde.

Derzeit führt die schwankende Einspeisung von Windstrom dazu, dass Reservekraftwerke (z.B. Kohle oder Gas) vorgehalten werden müssen. Dadurch verschlechtert sich die Klimabilanz von fluktuierenden Energieträgern. Allerdings wird zukünftig unter anderem durch die Speicherung von Strom, den Netzausbau oder ein intelligentes Lastmanagement der Bedarf an Reserven immer weiter reduziert.


(Quelle: BWE 2012)

3) Energieertrag einer WEA

Ende 2012 gab es deutschlandweit 23.040 Windenergieanlagen, die zusammen auf eine installierte Gesamtleistung von 31,33 GW kommen. Die Betriebszeit einer Windenergieanlage liegt zwischen 7.000 und 8.000 Stunden im Jahr.

Auf die 8.760 Gesamtstunden eines Jahres bezogen, entspricht dies einer durchschnittlichen Laufzeit bzw. Auslastung von circa 85 Prozent. Allerdings drehen sich die Rotoren nicht immer mit maximaler Leistung (= Nennleistung). Die Windstromproduktion beginnt schon bei circa 2,5 Metern Windgeschwindigkeit je Sekunde und wird dank modernster Regeltechnik erst bei starkem Sturm langsam und netzverträglich herabgeregelt. Auch bei wenig Wind wird also Strom in das örtliche Netz eingespeist.

Der statistische Wert der Volllaststunden trifft eine Aussage über die jeweilige Standortqualität. An einem mittleren Binnenlandstandort beträgt dieser Wert etwa 1.600 – 1.800 Stunden, an einem guten Küstenstandort werden über 3.000 Volllaststunden erreicht. Die Volllaststunde errechnet sich, indem man die gesamte Stromproduktion der Anlage im Jahr durch ihre maximale Leistung (Nennleistung) teilt. Die Angabe der Volllaststunden fungiert als wesentliche Kalkulationsgrundlage bei Windparkfonds, weil sich daraus die zu erwartenden Erlöse aus der Produktion von Strom aus Windenergieanlagen errechnen lassen.

Grundsätzlich gilt, dass die Anzahl der Volllaststunden mit zunehmender Nabenhöhe ansteigt.
Faustregel: Jeder Meter Narbenhöhe bedeutet bis zu 1 Prozent mehr Ertrag.
Dank modernster Anlagentechnik mit ausreichender Nabenhöhe und größeren Rotordurchmessern ermöglichen heute also auch Standorte in der Mitte und im Süden Deutschlands attraktive Erträge, wie sie bis vor wenigen Jahren nur an der Küste und an exponierten Berggipfeln denkbar waren.

(Quelle: BWE 2012)

4) Schallentwicklung von WEA

Bei einer Windenergieanlage gibt es zwei Schallquellen: zum einen die mechanischen Bauteile wie Getriebe und Generator, zum anderen entsteht durch die Bewegung des Rotors aerodynamischer Schall.

Beim Bau von Windenergieanlagen müssen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens umfassende baurechtliche Vorschriften eingehalten werden. Ein wichtiger Abschnitt bei der Genehmigung von WEA findet bereits in der Planungsphase statt, denn zu diesem Zeitpunkt werden die zu erwartenden Schallemissionen überprüft.

Grundlage hierfür ist die „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA-Lärm). Darin sind konkrete Vorgaben für Geräuschpegel festgelegt, die in Wohn-, Misch- oder Gewerbegebieten nicht überschritten werden dürfen. Nach ihnen richtet sich der Abstand zur nächsten Wohnbebauung. Für eine Genehmigung ist die Einhaltung dieser Werte durch ein Gutachten nachzuweisen.

Grundsätzlich produzieren moderne Windenergieanlagen weit weniger Lärm als ihre Vorgänger aus der Pionierzeit der Windenergie; sie sind besser schallgedämmt und besitzen schalltechnisch optimierte Rotorblattformen. In wenigen Hundert Metern Entfernung ist der schwirrende Klang des Rotors akustisch kaum noch wahrzunehmen. Zudem überlagern Umgebungsgeräusche – rauschende Bäume und Büsche, Straßenlärm und andere Alltagsgeräusche – die Geräuschentwicklung von Windenergieanlagen erheblich. Besucher von Windparks sind häufig überrascht, wie leise die Anlagen wirklich sind. Hierzu ein Vergleich: Befindet man sich mit 200 Metern Abstand neben einer modernen Windenergieanlage, beträgt die ausgehende Schallbelastung ca. 45 dB(A). In einem fahrenden Auto ist man bei 100 km/h hingegen 100 dB(A) ausgesetzt.


(Quelle: BWE 2012)

5) Genehmigung von WEA

Windenergieanlagen wachsen nicht willkürlich aus dem Boden. Die Genehmigungsverfahren und deren Umfang sind abhängig von der Anzahl der zu errichtenden Windenergieanlagen. Kommunen und die Träger der Regionalplanung können die Genehmigung von Anlagen durch die Ausweisung geeigneter Flächen, sogenannter Vorrangflächen oder Eignungsgebiete, in Regionalplänen, Flächennutzungs- und Bebauungsplänen räumlich steuern. Zudem existieren reine Ausschlussgebiete -Naturschutzgebiete oder Gebiete von besonderer kultureller und historischer Wertigkeit-, in denen keine Anlagen aufgestellt und betrieben werden dürfen. Bereits zu Beginn der Planungsphase werden die "Träger öffentlicher Belange" (Behörden, kommunale Verbände und Vereine) aktiv ins Planungsverfahren eingebunden.

Die Ausweisung einer Windkonzentrationszone allein berechtigt noch nicht zum Bau von Windenergieanlagen. Die Errichtung einer Anlage muss immissionsschutzrechtlich genehmigt werden. Moderne Anlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 50 Metern werden einer anspruchsvollen Prüfung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) unterzogen.
Dabei werden die örtlichen Bedingungen wie Wohnbebauung, Landschaft und Tierwelt untersucht und berücksichtigt. Die Einhaltung notwendiger Abstände zum Schutz vor zum Beispiel Schallemissionen (Lärm) und Schattenwurf ist ebenfalls fester Bestandteil der Prüfung. Erforderliche Genehmigungen nach dem BlmSchG enthalten in der Regel unter anderem Auflagen zu Ausgleichsmaßnahmen für die Beeinträchtigung von Artenschutz, Natur und Landschaft. Danach hat der Windparkbetreiber mit der Durchführung der Baumaßnahme eine Ausgleichszahlung oder Maßnahmen wie beispielsweise die Bereitstellung von Naturschutzflächen nach dem jeweiligen Landesnaturschutzgesetz durchzuführen.
Darüber entscheiden in Nordrhein-Westfalen seit 2008 die unteren Immissionsschutzbehörden, die bei den Kreisen und kreisfreien Städten angegliedert sind.

Im Genehmigungsverfahren wird kurz gesagt sichergestellt, dass von einer Windenergieanlage keine schädlichen Einwirkungen verursacht werden.

6) Leistung einer WEA

Moderne Windturbinen arbeiten mit mäßigen Drehzahlen und dabei äußerst effektiv. Neueste Anlagen haben eine Spitzenleistung von rund 6 MW und mehr.

Die Lernkurve der Windenergie ist erstaunlich: In den Neunzigerjahren hatte eine typische Windenergieanlage eine Nabenhöhe von max. 50 Meter und ihre Leistung lag bei rund 250 Kilowatt.

In den letzten Jahren wurden Anlagen installiert, die dreimal so hoch waren und das Zehnfache - zwischen 2 und 3 MW - an Leistung erbringen konnten.

Eine einzige 5-MW-Anlage produziert je nach Standort ungefähr 15 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Damit kann sie pro Jahr ca. 4.500 Haushalte versorgen oder in 20 Betriebsjahren umgerechnet mehr als 220.000 Tonnen Kohlendioxid aus Braunkohlekraftwerken ersetzen. Die größten Windturbinen haben mittlerweile Nennleistungen von bis zu 7,5 Megawattt. Sie produzieren jährlich bis zu 20 Millionen Kilowattstunden Strom. Somit kann ein Windpark bereits heute eine ganze Kleinstadt mit Strom versorgen.

Kleinere Anlagen im Kreis Steinfurt

Diese Anlagengrößen sind allerdings vorrangig für Küstenstandorte mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten konzipiert, die wir hier im Kreis Steinfurt nicht erreichen. Aus diesem Grund werden im Kreis Steinfurt nur kleinere Anlagen errichtet, die Leistungen von 2 bis 4 MW erreichen.

Eine typische Binnenlandanlage unserer Region, mit 2,5 MW Leistung, speist im Durchschnitt 6.250.000 kWh pro Jahr ein. Ein 3-Personen Haushalt in Deutschland verbraucht ca. 3.500 kWh pro Jahr, sodass eine einzige Windenergieanlage 1.785 Haushalte und damit mehr als 5.300 Personen versorgen kann.

Ende 2012 gab es deutschlandweit 23.040 Windenergieanlagen, die zusammen auf eine installierte Gesamtleistung von 31,33 GW kommen. Die Betriebszeit einer Windenergieanlage liegt zwischen 7.000 und 8.000 Stunden im Jahr. Auf die 8.760 Gesamtstunden eines Jahres bezogen, entspricht dies einer durchschnittlichen Laufzeit bzw. Auslastung von circa 85 Prozent. Allerdings drehen sich die Rotoren nicht immer mit maximaler Leistung (= Nennleistung). Die Windstromproduktion beginnt schon bei circa 2,5 Metern Windgeschwindigkeit je Sekunde und wird dank modernster Regeltechnik erst bei starkem Sturm langsam und netzverträglich herab geregelt. Auch bei wenig Wind wir also Strom in das örtliche Netz eingespeist.

(Quelle: BWE 2012)

7) Schattenwurf und Diskoeffekt von WEA

Abhängig von Wetterbedingungen, Windrichtung, Sonnenstand und Betrieb kann eine Windenergieanlage mit ihren rotierenden Flügeln einen bewegten Schatten werfen. Bei den Berechnungen des Schattenwurfs wird unterschieden zwischen der theoretisch maximal möglichen Einwirkzeit – wobei stets Sonnenschein, eine ungünstige Windrichtung und ein drehender Rotor vorausgesetzt werden – und der realen Einwirkzeit unter örtlich normalen Wetterbedingungen. Die Schattenwürfe der Rotorblätter können für Betroffene unangenehm sein, wenn diese zum Beispiel ständig auf die Fenster eines Wohnhauses treffen.

Um Anwohner zu schützen wurde dieser Aspekt gesetzlich geregelt. Die Schattenwurfdauer ist gesetzlich geregelt und darf nach Windenergieerlass 30 Minuten täglich und 30 Stunden im Jahr (Beachte: Sonderregelung zum Schattenwurf im Kreis Steinfurt) nicht überschreiten. In Grenzfällen ist im Genehmigungsverfahren durch Gutachten nachzuweisen, dass keine unzulässigen Schattenbelästigungen auftreten. Bei Überschreitungen ist die Windenergieanlagen mit einem speziellen Sensor auszustatten und durch eine Abschaltautomatik anzuhalten. Allerdings stehen in der Regel im „Schattenbereich“ von Windparks keine Wohngebäude.
(Quelle: BWE 2012)

Besonderheit im Kreis Steinfurt - "0-Minuten-Regel" beim Schattenwurf

Ziel ist es die Windenergie im Kreis Steinfurt mit größtmöglicher Akzeptanz der einzelnen Bürgerinnen und Bürger auszubauen. Deshalb ist es im Kreis Steinfurt üblich, während der BImSchG-Genehmigung auf kooperativer Basis mit den Betreibern zu vereinbaren, dass diese freiwillig auf die volle Ausnutzung der zulässigen Beschattungsdauer verzichten. Die gelebte Praxis zeigt den hohen Stellenwert des Themas Akzeptanz und wie wichtig die Bedürfnisse der Bevölkerung genommen werden.

Die geplanten Windenergieanlagen werden mit einer Schattenwurfabschaltungssensorik ausgestattet. Diese ermöglicht, dass die Windenergieanlagen so gesteuert werden, dass sie, über die rechtlichen Vorgaben hinaus, gegen „Null-Minuten-Schattenwurf“ abgeschaltet werden. Es bleibt jedoch zu berücksichtigen, dass die Windenergieanlagen bei wechselnder Bewölkung aus technischen Gründen eine gewisse Reaktionszeit von ca. drei Minuten benötigen bis es zur Abschaltung kommt.

Diskoeffekt

Im Gegensatz zum Schattenwurf spielt der sogenannte „Diskoeffekt“ – Lichtreflexe an den Rotorblättern – heute keine Rolle mehr, denn schon lange werden die Rotorflächen mit matten, nicht reflektierenden Farben gestrichen.

8) Rückbau von WEA

Die gewöhnliche Betriebsdauer von Windenergieanlagen ist ausgelegt auf 20 Jahre, kann jedoch bei Vorlage eines Standsicherheitsnachweises auch verlängert werden. Ihrem Bau und der Inbetriebnahme geht ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren voraus, das gemäß Baugesetzbuch auch die Verpflichtung beinhaltet, die Anlagen nach Betriebsende vollständig zurückzubauen und den Standort wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Als Sicherheitsleistung trägt der Betreiber zumeist eine Baulast ein oder stellt eine Rückbaubürgschaft gegenüber dem Grundstückseigentümer in Form einer Bankbürgschaft zur Verfügung. Nach endgültiger Stilllegung einer Windenergieanlage bleiben somit keinesfalls Bauruinen oder eine zerstörte Landschaft zurück.

Die Bestandteile der Anlagen können fast vollständig recycelt werden. Dabei fallen vor allem Stahl und Beton an. Hinzu kommen glasfaser- und kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe sowie in geringem Maße auch Kupfer oder Aluminium. Die Stahlsegmente des Turms werden in Stahlwerken wieder aufbereitet. Der Beton des Fundaments und des Turms kann wiederaufbereitet im Straßenbau genutzt werden. Die Rotorblätter werden in zum Teil spezialisierten Recyclinghöfen zerkleinert. Die Glasfaseranteile werden als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie verbraucht. Wenn Windenergieanlagen vor ihrer maximalen technischen Nutzungsdauer abgebaut und durch neue, leistungsstärkere Anlage ersetzt werden, können sie weitervermarktet und an anderer Stelle, zum Beispiel im Ausland, wieder aufgebaut werden.

Kurz gesagt: Nach dem Abbau einer Windenergieanlage können je nach Anlagentyp 80-90 Prozent aller Teile recycelt werden, also in anderer Form wiederverwertet werden.


(Quelle: Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie 2013)